Erziehen, Unterrichten, Beurteilen, BERATEN
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Säulen der Beratung

Kontextorientierung

Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer beraten im Kontext der Schule und sind selbst Teil des Systems Schule. Die jeweils schulspezifischen Bedingungen bilden den Rahmen für Beratung, den die Berater bei allen Aktivitäten im Blick behalten müssen.

Rahmenbedingungen einer Schule sind beispielsweise:

  • das Schulprogramm und Schulprofil
  • Ziele und Regeln, sowohl formelle als auch "informelle"
  • Informationswege
  • Struktur von Schülerschaft und Kollegium
  • räumliche, zeitliche und materielle Faktoren
  • Kooperationsstrukturen

Die Kontextorientierung bietet gleichermaßen Chancen und Hindernisse

Je nach Beratungsanlass mag es ein Vorteil oder Nachteil sein, selbst Mitglied eines Systems zu sein. Der bewusste Umgang mit Distanz und Nähe ist ein wesentliches Gestaltungsmerkmal von Beratung und hilft die Situation im Beratungsgespräch zu verstehen und die Ressourcen zu nutzen, die das System bietet. Die unmittelbare Nähe kann allerdings auch zur Betriebsblindheit führen, Distanz hingegen zu wenig präzisen Beratungsempfehlungen .

Dass der "Prophet im eigenen Land" nichts gilt, ist eine oft leidvolle Erfahrung von Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern. Akzeptanz als Beratungslehrer ist nicht nur über Sachaspekte zu finden, sondern viel eher durch Interaktion.

Ergebnisse einer Studie zu Beeinträchtigungen der Beratung

Die Zeitressourcen der Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer sind knapp.

Zeit für Beratung ist in der Schule deshalb besonders begrenzt, weil gleichzeitig die Klassen und die einzelnen Schülerinnen und Schüler mit ihren Bildungsansprüchen die Hauptaufmerksamkeit der Lehrerinnen und Lehrer in Anspruch nehmen.

Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer werden mit nur geringen Stundendeputaten für die Beratungstätigkeit freigestellt. Beispielsweise stehen einer Beratungslehrerin an einer Schule mit 750 Schülerinnen und Schülern und ca. 50 Kolleginnen und Kollegen ca. 3 Std. zur Verfügung.

Lesehinweis:  
Schön, B. (1989). Therapie statt Erziehung? Frankfurt/M.


n der Vergangenheit haben Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer viel Zeit mit therapieähnlichen Bemühungen verbracht. Denn z.B. unter Lehrerinnen und Lehrern ist die Erwartung verbreitet, dass mit Therapie zu erreichen wäre, was mit erzieherischen Mitteln nicht erreicht werden kann. Berater in der Schule müssen aber darauf hinweisen, dass Schule als Bildungs- und Erziehungsinstitution keinen therapeutischen Auftrag hat und die schulischen Berater zudem nicht als Therapeuten qualifiziert sind. Selbst wenn Lehrer eine therapeutische Zusatzausbildung haben, dürfte es an Zeit mangeln Therapie durchzuführen.

Schule hat keinen therapeutischen Auftrag und Lehrer sind keine Therapeuten. Die Grenzen zwischen Erziehung, Beratung und Therapie müssen erkannt und jederzeit gewahrt bleiben, weil die Schule keine Legitimation für Therapie hat.

Surftipps:
"Psychologische Schulen"

Theorie-Praxis-Orientierung

Zur fundierten Arbeit des Beratungslehrers gehören:

  • Kenntnis der wesentlichen psychologischen Theorien und deren Grundannahmen und Vorgehensweisen z.B.
  • Kenntnis über deren unterschiedliche pädagogische Handlungsrelevanz
  • Reflektierte Übernahme der theoretischen Kenntnisse in das Verhaltensrepertoire unter Berücksichtigung der zugrundeliegenden Menschenbilder,
  • Wissen um Grenzen und Möglichkeiten des Einsatzes der Modelle

Hilfe zur Selbsthilfe

Beratung mit dem Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe erfordert:

  • das Schaffen einer vertrauensvollen Beziehung, die verändertes Denken unterstützt,
  • Anerkennung und Förderung der Problemlösungsfähigkeit der Ratsuchenden,
  • Etablieren eines Systems der vom Problem betroffenen und / oder der an seiner Lösung interessierten und beteiligten Personen,
  • gemeinsames Entwickeln alternativer Deutungsmuster,
  • gemeinsames Entwickeln selbst-erreichbarer Ziele / Visionen,
  • gemeinsames Überprüfen und Festlegen der Rahmenbedingungen für Veränderung,
  • Nutzung verfügbarer Ressourcen,
  • gemeinsames Entwickeln von Handlungsstrategien, gemeinsames Auswerten der Ergebnisse

Der systemisch-lösungsorientierte Beratungsansatz hat das alte Ziel der sozialen Hilfe "Hilfe zur Selbsthilfe" erneut ins Bewusstsein gehoben und ausführlich begründet.

Kooperative Problemlösung

  • Etablieren eines Systems der vom Problem betroffenen und den an seiner Lösung interessierten Personen, z.B. "runder Tisch".
  • Orientierung an und Nutzung von Problemlösungskompetenzen und -strategien der Betroffenen.
  • Stärken der Problemlösungskompetenz der am Problem Beteiligten.

Diese Aspekte werden im systemisch-lösungsorientierten Ansatz deutlich.

Materialien
Methodensammlung

Teilnahme an Entwicklungsprozessen

Kolleginnen und Kollegen erwarten häufig von Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern nur die Beratung auffälliger Schülerinnen und Schüler.

Die im Erlass definierten Aufgaben der Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer stellen dagegen die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer in den Mittelpunkt und betonen schulische Entwicklungsaufgaben im Kontext der Beratung.

Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer

  • initiieren,
  • begleiten,
  • unterstützen und
  • evaluieren: z.B. das schuleigene Beratungskonzept im Rahmen des Schulprogramms,

die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer im Hinblick auf Beratung,

pädagogische Programme:

zur Entwicklung und Stärkung des Selbstwertgefühls,
der Lernfähigkeit oder
Konfliktlösungskompetenz der Schülerinnen und Schüler,

Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer arbeiten häufig in Gruppen, gelegentlich in Einzelberatung. Gruppenaktivitäten sollten aus Zeit- und Kompetenzgründen häufiger vorkommen als die Beratung einzelner Ratsuchender.