Kooperatives Lernen
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Kooperatives Lernen - Einleitung

     

Kooperatives Lernen ist das Konzept für Schulerfolg und Schulentwicklung, mit dem NORM GREEN und die Schulen des DURHAM BOARD OF EDUCATION es geschafft haben von einem schlechten Platz im Ranking der kanadischen Schulbezirke in die Spitzenposition zu kommen. 1996 wurde dem Bezirk für diese Leistung der CARL BERTELSMANN PREIS für innovative Schulsysteme im internationalen Vergleich verliehen.

Seit dieser Auszeichnung arbeiten NORM und KATHY GREEN auch in Europa. U.a. in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung haben sie Seminare, Trainings und internationale Sommerakademien für Lehrer, Dezernenten und Erziehungsfachleute durchgeführt. In immer mehr Städten in Deutschland fragen Schulen und Schulämter nach Veranstaltungen, so dass sich auch in Deutschland ein Lern-Netzwerk zum kooperativen Lernen entwickelt hat.

: Einleitungstext (29 KB)


Zur Einordnung des kooperativen Lernens
in die erziehungswissenschaftliche Tradition


Demokratische Schule und kooperatives Lernen

Aufgabe der Schule ist es Wissen für und über demokratische Systeme zu vermitteln.

Lehrerinnen und Lehrer

  • ermöglichen Weltverständnis,
  • erläutern Spielregeln des Zusammenlebens und
  • helfen Schülerinnen und Schülern, ihre eigenen Bedürfnisse sowie die anderer Menschen wahrzunehmen und zu respektieren.

Bei der Befriedigung eigener Bedürfnisse und der Bearbeitung sozialer Konflikte müssen oft Kompromisse gefunden und ausgehalten werden. Schülerinnen und Schüler erwerben grundlegende individuelle Fähigkeiten in gesellschaftlichen Zusammenhängen, indem sie u.a. lernen

  • miteinander zu arbeiten und
  • Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen,
  • der eigenen Meinung sozialverträglich Geltung zu verschaffen.

Kooperative Lernformen können in hohem Maße dazu beitragen Demokratie zu lernen und zu leben. Beim kooperativen Lernen werden demokratische Fähigkeiten im Unterricht eingeübt und so verinnerlicht, dass sie zur Grundlage für demokratische Einstellungen und entsprechendes Engagement werden können.

Kooperatives Lernen als Gruppenarbeit - ein Weg zum Schulerfolg

Kooperatives Lernen ist eine Form der Gruppenarbeit. Im Laufe der Entwicklung des kooperativen Lernens entstand ein differenziertes Konzept, dessen Methoden sich an formulierten Grundelementen orientieren. Anders als bei anderen Konzepten und Kompetenzanforderungen wird beim kooperativen Lernen Wert auf den Aufbau der Kompetenzen für die Gruppenarbeit gelegt. Man geht davon aus, dass es nicht ausreicht, Schülerinnen und Schüler in Gruppen zusammen zu setzen, um sie erfolgreich als Gruppen arbeiten zu lassen.

Weil kooperatives Lernen gelernt sein will, werden Prinzipien und Formen der kooperativen Gruppenarbeit verdeutlicht und die Umsetzung wird konsequent eingeübt.

Arbeitsaufträge werden an bestimmte Methoden und Prinzipien der Bearbeitung gebunden. Die Bearbeitungsmethoden werden in der Unterrichtsvorbereitung gezielt und mit Blick auf die doppelte Zielsetzung (soziales und fachliches Lernen) und die Inhalte der Arbeit ausgewählt.

Die Klassen werden an die Zusammenarbeit herangeführt. Die Schülerinnen und Schüler lernen sich gegenseitig kennen, es gibt Aktivitäten zur Bildung von Gruppenidentität, Regeln der Zusammenarbeit werden eingeübt, reflektiert und im Hinblick auf ihren Nutzen bewertet. Gruppenarbeit ist keine plötzliche Ausnahme¬erscheinung, sondern eine eingeübte, gebräuchliche und integrierte Lernform.

Konsequent werden Aufgaben in der Schule so gestellt, dass fachliches und soziales Lernen gleichermaßen gefördert werden. Ein Thema wird in unterschiedlichen Formen bearbeitet. Die Anforderungen zur Aufgabenbewältigung an die Gruppe sind transparent. Keine Schülerin und kein Schüler läuft Gefahr sich beispielsweise wegen Wissenslücken zu blamieren. Die Schülerinnen und Schüler unterstützen sich gegenseitig, um als Gruppe die Aufgabe erfolgreich zu lösen.

Die Gruppengröße liegt oft bei vier Gruppenmitgliedern, maximal bei sechs Personen. Phasen der Einzel- und Partnerarbeit bereiten häufig die Gruppenarbeit vor. Die Gruppen werden nach unterschiedlichen Kriterien zusammengesetzt, manchmal nach Zufall, jedoch nie nur nach Sympathie der Schülerinnen und Schüler untereinander.

Jeder Schüler in der Gruppe hat eine klar definierte Rolle; die Rollenzuschreibung erfolgt oft zufallsgesteuert, jedoch achten die Lehrkräfte darauf, dass es keine Überforderung einzelner Schülerinnen und Schüler gibt. Alle Schülerinnen und Schüler müssen darauf vorbereitet sein Ergebnisse vorzutragen. Die Form der Präsentation wird häufig vorher vom Lehrer bestimmt und so gewählt, dass es nicht zur Überforderung oder gar Blamage kommen kann.

Im Anschluss an die Arbeitsphasen werden die Erfahrungen reflektiert und bewertet. Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass sowohl ihre gemeinsamen als auch ihre einzelnen Leistungen zählen und bewertet werden. Phasen des Gruppenlernens werden häufig durch individuelle Leistungsabfragen abgeschlossen.

Elemente des Wettbewerbs (kompetitives Lernen) beziehen sich gelegentlich auf Gruppen, d.h. die Gruppenleistungen und nicht die einzelnen Schülerinnen und Schüler werden miteinander verglichen.

Kooperatives Lernen und Schulentwicklung

Alle Lehrerinnen und Lehrer, die inzwischen begonnen haben, mit kooperativen Lernformen zu arbeiten, haben mit der Zeit ihr Verständnis von Verantwortung für soziale und fachliche Lernprozesse – und damit ihr Schulverständnis verändert.

Aus Einzelkämpfern wurden Lehrkräfte, die

  • gemeinsam an Veränderungen arbeiten,
  • sich gegenseitig beraten, stützen und
  • miteinander ihre Arbeit reflektieren.

Schulleiterinnen und Schulleiter spielen im Prozess der Schulentwicklung eine bedeutende Rolle, indem sie

  • ihre Kolleginnen und Kollegen auf Seminare aufmerksam machen,
  • die Lehrkräfte in ihren eigenen Lernschritten unterstützen und
  • ihnen Freiräume und Ressourcen zur Einführung kooperativen Lernens geben.

Schulen als lernende Organisationen

Ein System, in dem „....Menschen beständig ihre Fähigkeiten, die Ergebnisse zu erreichen, die sie sich wünschen, erweitern; wo kollektive Bestrebungen freigesetzt werden und wo Menschen kontinuierlich lernen zusammen zu arbeiten",

so beschreibt Peter Senge (Die fünfte Disziplin, 1990, S. 3) seine Vorstellung einer lernenden Organisation.

Schulen können lernende Organisationen werden, indem sie kooperatives Lernen im Unterricht, in Projekten, bei Aktivitäten im Schulleben und mit außerschulischen Partnern und bei der Kollegiums- und Schulentwicklung verwirklichen. Kooperatives Lernen findet nicht nur im Klassenraum statt, sondern in der ganzen Schule.

An vielen Schulen erweitert sich diese Arbeitsform auch durch Elternarbeit und sie wird durch die Partizipation der Schülerinnen und Schüler gestärkt. Besprechungen und Konferenzen werden anders – effektiver – gestaltet, immer mehr Menschen werden aktiv und verantwortlich und damit demokratisch einbezogen.

Zahlreiche Studien belegen die Grundlagen und die Wirkungen des kooperativen Lernens. Ergebnisse lassen sich bei fachlichen und überfachlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler (Lesen, Schreiben, Mathematik, Denk- und Merkfähigkeiten, Problemlösen) nachweisen und auch bei ihren kommunikativen und sozialen Fähigkeiten. Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihr Lernen und sind zufriedener mit ihren Schulerfahrungen. Der Grad ihrer Partizipation am Schulgeschehen, auch im Unterricht, nimmt zu und die gegenseitige Wertschätzung zwischen Lehrkräften und Schülern steigt.